Ist das Geld schuldig?

Die heilsame Transformation des Geldes

Oft und gerade von Menschen, die einen Lebensweg des Heilens einschlagen ist zu hören, dass an allen Problemen das Geld schuld sei. Häufig empfinden sie sogar Scham, wenn sie für ihre Leistung ausreichend Geld verlangen, wie es für jeden Handwerker normal ist. Das hat auch viel mit der abendländisch-christlichen Kultur zu tun, in der Selbstaufopferung als Zierde gilt. Deshalb wird wie selbstverständlich anerkannt, wenn Manager, Mafiosi und Prostituierte Geld für ihre Leistungen verlangen, aber Heiler hingegen werden schnell als Scharlatane abgetan. Es fiele einen schwer sich vorzustellen, forderte Jesus ein Honorar für seine Predigten. Andererseits wird Armut naserümpfend wahrgenommen und Arme als faul verunglimpft. Aber wie soll ein Heiler für seinen Lebensunterhalt sorgen, wenn er nicht am Hungertuch nagen, betteln oder Harz 4 beantragen soll? Ein Dilemma was sich nur löst, wenn das moderne Mangeldenken verlassen wird, welches grundlegend die heutige Gesellschaftsstruktur ausformte.

Was also, steckt hinter diesem Gedanken des schuldigen Geldes? 

Feststellung:

Geld ist von Menschen erschaffen. Es ist eine Idee, die es ursprünglich ermöglichte Waren so miteinander auszutauschen, dass grundsätzlich jeder an jede Gebrauchsware kommen konnte. Es wurde sozusagen ein Austausch über drei und mehr Ecken möglich, entgegen, wie es dem direkten Tauschhandel von Waren möglich erschien.
Voraussetzung für die Funktion des Geldes ist die allgemein anerkannte Idee, etwas, das eigentlich keinen Gebrauchswert hat, einen Wert zuzuerkennen. Ein Stück Papier erhält erst dadurch seinen Wert, weil alle Mitglieder der Gesellschaft einverstanden sind, dass es so sei. Anderenfalls bliebe es einfach nur Papier, wie es Inflationen lehren.
Damit war die Möglichkeit gegeben, diese zugedachten Werte zu sammeln. Freilich, ursprünglich war das Geld durch Gold gedeckt. Aber auch Gold kann nicht gegessen werden und hat somit ebenfalls in diesem Sinne nur einen finanziell erfundenen Wert (abgesehen von der dem Gold innewohnenden elementaren Kraft, die hier nicht betrachtet werden soll).
Obwohl finanzielle Wert eine ureigne menschliche Erfindung sind, verführte sich der Mensch sozusagen selbst damit, indem er seine eigene Urheberschaft verdrängte und Geld als eigenständige Macht erlebt. Auch das ist eine urmenschliche Erfindung.

Von dem Augenblick an, da Geld als eigenständige Macht empfunden wird, da Menschen begannen das Geld für alles Elend dieser Welt verantwortlich zu machen, gaben sie ihre eigene Macht an ihre eigene Erfindung ab und lieferten sich ihr aus. Das ist bequem und erleichtert das Gewissen. Menschenwürdig ist es nicht, die Schuld einem Ding zu geben. Doch das unbehagliche Gefühl blieb, selbst Verursacher dieses Geldwertes zu sein. 
Meistens funktioniert Verdrängung ganz gut und so begannen sich die Menschen der Dynamik dieser Idee anzupassen, anstatt sie selbst für ihre Bedürfnisse zu gestalten. Sie versorgten den selbst erschaffenen Geist mit ihrer Lebendigkeit, verloren an Kraft, wurden krank und beherrschbar. Aus Lebenszeit, aus Arbeitskraft, wird letztlich Geld. Geld wird damit Ausdruck der Art und Weise, wie die Menschen miteinander umgehen:

1. unmenschlich

Sie rauben sich gegenseitig aus, beneiden sich, gönnen den anderen nichts und sich alles. Glauben, nur durch Leistung wertvoll zu sein, sind bereit dafür zu morden, zu betrügen und zu beherrschen. Bemessen sich selbst, die Natur, die Waren, alles, nach diesem selbst erfundenem (Mehr-)wert, also was für ein Profit realisierbar sei. Sie glauben daran, das Geld nicht stinkt und das Zeit gleich Geld sei. Nur bei Heilern, dort soll es anders sein ...

Oder.

2. menschlich

Sie befreien zukünftig das Geld vom heutigen Ausdruck für alle Unmenschlichkeit verantwortlich zu sein und machen es zum Maßstab für ihre Lebendigkeit, als Ausdruck für Heilung, Ganzheit und Miteinander.

Eine Idee:

Aus schamanischer Sicht ist alles beseelt und strebt ganz natürlich danach, lebendig zu sein. Auch das Geld. Das von uns Menschen erschaffene Geld will demzufolge immer wieder belebt sein. Das gelingt durch unsere Träume, unsere Sehnsüchte, Wünsche, Bedürfnisse, Ideen und dadurch, was wir unter Geld verstehen. Machen wir das Geld für alles Schlechte dieser Welt verantwortlich, dann hat doch das Geld – in diesem Sinne ausgedrückt – um zu leben gar keine andere Wahl als diese Angebote der Belebung anzunehmen.

Aber warum machen wir dem Geld nicht ein neues Angebot, sich anders beleben zu können? Weshalb träumen wir nicht davon, dass Geld ein Ausdruck unserer Menschlichkeit sein darf? Warum schenken wir dem Geld nicht die Möglichkeit zu zeigen, dass in ihm ein noch unentdecktes und unerschöpfliches Heilpotential steckt?

Das setzt freilich voraus – und ich wiederhole mich nun – über den gegenwärtig weltbeherrschenden Ausdruck des Geldes mit Kraft unserer Phantasie hinauszudenken, was heißt ein gesellschaftliches Miteinander jenseits von Mangel, Gier, Mehrwert und Finanzierungszwang zu gestalten. Anders ausgedrückt ist eine neue Vereinbarung zu treffen, die von Fülle ausgeht, die dem Geld die Chance der Transformation von einem Ausdruck des Mangels zu einem Ausdruck der Fülle ermöglicht.

Wer weiß, vielleicht sehnt sich das Wesen des Geldes selbst danach, endlich seinen schlechten Ruf loszuwerden und neugeboren der Natur und Menschlichkeit dienen zu dürfen. Wir Menschen haben die Macht der Entscheidung, wie Geld belebt wird ... und niemand anderes.
Und wer weiß, möglicherweise haben wir das heilsame Potential des Geldes noch nicht einmal erahnt, welches in ihm steckt. Es läge bei uns, dieses, sein wahres Wesen entfalten zu dürfen.

Es beginnt mit einem Traum ...

Hendrik Heidler

PS: Ob eine so stark miteinander verwobene Gesellschaft, wie die heutige, ohne Geld möglich ist, selbst wenn sie sich vom heutigen Verwertungs- und Finanzierungssystem gelöst hat, weiß ich nicht. Vielleicht sind die Zeiten des Geldes auch vorbei und es strebt seiner Vollendung, seinem Sterben zu. Vieles ist möglich.