Januar 2010
Schnee
Bemerkenswert, die lexikalische Beschreibung von Schnee: „Schnee ist die häufigste Form des festen Niederschlags, der aus feinen Eiskristallen besteht.“ Das klingt so nichtssagend trocken, deshalb hier einige gefühlvollere Gedanken: Schnee ist weiß, zumindest bevor er in die „Jahre“ kommt oder pechgeplagt auf Straßen landet. Schnee ist trocken, bevor er taut und Schnee klebt, wenn er taut. Schnee fällt in Flocken oder schneit in „Greipele“ und Schnee birgt Geheimnisse. Seine Vielfalt, Kristalle auszubilden, lässt atemlos staunen. Seit Schneeflocken auf Erden fallen, glich keine einzige der anderen. Schnee ist für die Natur ein Segen und Schnee macht Spaß. Viele erzgebirgische Lieder besingen ihn. Darin wird von Schneeschuhfahrten, Schneeballschlachten und weiße Weihnachten fröhlich berichtet. Aber Schnee schenkt uns noch viel mehr. Kinder essen ihn liebend gern, genauso wie sie zum Leidwesen der Mütter an verführerische Eiszapfen „tschutschn“. (Im Winter mag mein Hund kein Wasser, weil er Schnee vorzieht.) Mit Schnee lässt sich wundervoll necken. Ein gezielter Stoß an schneebedeckte Fichten und schon landet die kalte Ladung im Hemdkragen. Aber Vorsicht, schnell wandelt sich Schadenfreude – „zin Hu“, wie der Erzgebirger sagt – schnell ins Gegenteil, wenn der Geneckte einen erwischt und mit Schnee „tichtich eisaaft“. Aus Schnee lassen sich Höhlen bauen und Flaschenbahnen. Richtig geglättet, sogar an sehr frostigen Tagen mit Wasser bespritzt, ergibt er „arschglatte“ Rutschbahnen zum „Tschinnern“. Auch Rodelbahnen ermöglicht er. Wie in Scheibenberg die köstliche Bergstraßenrodelbahn früher oft mitten im Ort gelegen und jetzt zum Wohle der Autos nach außerhalb verbannt, macht sie trotzdem der Schnee auch hier zu einer Freude. Pulverschnee lässt Verliebte ausgelassen tollen und klebriger Schnee manchen Wintersportler verzweifeln. Mit Holz, Tee und Topf im Rucksack lässt sich an flackerndem Lagerfeuer im tiefen Winterwald aus Schnee ein köstliches Getränk brauen. Selbst einige Fichtennadeln darin vertreiben die stille, die seelenberührende Stimmung kein bisschen. Schnee regt den Kreislauf an, er lässt Augen und Wangen leuchten und macht schöne Gesichter. Es ist eine gesunde Freude, kurz barfuß durch den Schnee zu laufen oder sich nach einer schwitzenden Ski-Tour die Haut mit Schnee einzureiben. Freilich, Schnee kann auch nerven, wenn er früh Auto und Garage tief verwehte ... aber vielleicht liegt auch darin eines seiner vielen Geschenke, sich etwas Ruhe vom alltäglichen Stress zu gönnen und seine Schönheit einfach nur zu genießen. hei
Scheibenberger Winter















